Die Sache mit dem Parkett

Irgendwas ist ja immer.

Im Vorfeld zu unserem Bauprojekt kamen mir all die Gruselgeschichten wieder in den Sinn, die andere Wagemutige erlebt haben: Bauträger, die pleite gehen. Waschbecken ohne Ablauf. Falsche Tapeten, falscher Teppich. Lieferfristen um Monate überschritten … und, und, und.

Bei uns läuft bisher alles gut – bis auf die Sache mit dem Parkett. Ich erzähle es mal die Reihe nach:

Am 28. Juni hatten Dirk und ich die erste Bemusterung. Die beiden dort angebotenen Parkettsorten Buche und Eiche gefielen uns nicht, uns schwebte ein dunklerer Boden vor – vor allem auch, weil wir für den Flur und den Küchenbereich anthrazitfarbene Fliesen gewählt haben. Also entschieden wir uns in der dargebrachten Auswahl für ein Laminat, das es auch als Parkett geben sollte. Und dann hieß es warten.

Ich schrieb Erinnerungsmails und fragte immer wieder nach beim Bauträger. Am 24. Juli bekamen wir dann das Okay: Es gibt das Parkett und es kostet 1.000 Euro extra – inklusive Mehrwertsteuer. Prima, dachten wir, das ist uns unser Wunschparkett wert!

Am 6. August dann die schlecht Nachricht: Das von uns ausgesuchte Parkett gibt es gar nicht. Uns wurden die Kontaktdaten des Parkettlegers zugesendet, damit wir mit ihm zusammen einen zweiten Bemusterungstermin machen. Ab hier ging dann alles schief: Der Parkettleger war ein derart unangenehmer Mensch, dass weder ich noch Dirk länger mit ihm telefonieren wollten, weil er in uns beiden den Eindruck erzeugte, dass er uns nicht für voll nimmt. Wir zogen also los und suchten uns in einem Frankfurter Parkettladen drei weitere Hölzer aus, die wir uns als Parkett vorstellen könnten. Die Muster wurden direkt in den Showroom des Bauträgers geliefert.

Am 30. August hatten wir dann einen zweiten Bemusterungstermin – vom Parkettleger keine Spur. Dafür lagen uns zwei der drei Holzsorten vor, die aber schon auf den ersten Blick nicht in Frage kamen, da sie entweder zu dunkel oder zu grünstichig waren. Das dritte gewünschte Muster wurde nicht geliefert. Dafür fanden wir dort vor Ort eine Holzprobe, die uns ganz gut gefiel. Wir verblieben so, dass wir für dieses Holz ein Angebot haben wollten. Es stellte sich dann heraus, dass es sich bei dieser Holzart um das dritte Muster handelte, das sich als einfach zu verlegendes, sehr hartes Fertigparkett entpuppte. Ein Stein fiel uns vom Herzen …. endlich hatten wir das Parkettproblem gelöst!

Doch wir hatten nicht mit den weiteren Kostenvoranschlägen gerechnet: Das erste Angebot vom 9. September strotzte nur so vor Fehlern und war vollkommen intransparent: Basis der Berechnung war eine falsche Quadratmeterzahl, es wurde nicht klar, welche Fußleisten mit angeboten werden und außerdem wurden die Kosten für die Standardausstattung nicht detailliert abgezogen, sondern es wurden lediglich pauschal 10 % der Gesamtsumme abgerechnet. Wir schickten unsere Fragen zu diesem Angebot noch am gleichen Tag und baten um Korrektur. Danach passierte  … nichts. In einem Telefonat wurde mir Klärung versprochen – das war es. Dirk und ich waren in der Zwischenzeit nicht untätig und holten uns Angebote von anderen Unternehmen ein. Und siehe da: Selbst die Apotheke unter den Parkettanbietern im Rhein-Main-Gebiet war erheblich günstiger als das Angebot, das uns vom Parkettleger über den Bauträger gemacht wurde! Und dann noch der Aufbau der Angebote: transparent, klar, einfach verständlich – eben so, wie ein Angebot aussehen sollte.

Am 10. Oktober schickte ich dann ein Angebot der Konkurrenz an den Bauträger als Beispiel für ein transparentes Angebot und für die Preisgestaltung der Konkurrenz. Am selben Tag erhielten wir dann ein weiteres Angebot: Weniger Quadratmeter (gut!), richtige Holzart (gut!), Kosten für die Standardausstattung aufgeschlüsselt und rausgerechnet (gut!), erheblich höherer Preis (schlecht!). In der Mail zum Angebot wurde uns erklärt, dass es sich um ein exklusives Holz handelt, das aufwendig verlegt werden muss. Merkwürdigerweise heißt es aber im Webangebot des Herstellers über dieses Fertigparkett, dass in Quadern geliefert wird und nach dem Klickprinzip verlegt wird: „Sauber und schnell kann die Verlegung durch die veredelte Öloberfläche ohne schleifen und versiegeln erfolgen.“

Am 12. Oktober hatten wir dann ein Treffen auf der Baustelle, das der Bauträger organsiert hatte, damit wir neuen Nachbarn uns kennenlernen konnten – eine schöne Sache! Vor Ort hatten wir dann die Gelegenheit, mit dem Bauträger zu sprechen: Wir erzählten das gesamte Parkettdrama und legten unsere Position dar, die im wesentlichen daraus bestand, dass wir kein derart überteuertes Angebot wahrnehmen werden. Uns wurde Nachbesserung versprochen.

Da die Zeit drängte – schließlich soll am 21. November Übergabe der Wohnung sein – habe ich in der kommenden Woche zwei mal via Mail nachgefragt, wo denn unser überarbeitetes, transparentes und preislich angemessenes Angebot bleibt.

Gestern, am 20. Oktober, kam dann das neue Angebot. Was soll ich sagen: Es ist noch teurer. Und es wurde über ein falsches Eichen-Parkett erstellt. Das genannte Parkett gibt es beim beauftragten Parketthersteller nicht – ein ähnliches Parkett kostet 33% weniger, der Kostenvoranschlag ist aber noch höher als die beiden vorherigen, die wir wegen überhöhter Preise und Intransparenz nicht angenommen haben. Dirk und ich verbrachten unseren Feierabend damit, eine Antwortmail zu schreiben, die alle Fakten und gleichzeitig ein transparentes Gegenangebot enthielt – wir möchten hier nach vier Monaten endlich zu einer Lösung kommen! Wir haben also Angebot Nummer 1 (das günstigste unter teuren) genommen, haben es auf die richtige Quadratmeterzahl korrigiert und dann die Kosten für die Standardausstattung herausgerechnet. Heraus kommt ein Preis, der uns nach den Kostenvoranschlägen der Konkurrenz angemessen erscheint – günstig ist er weiterhin nicht. Diese Mail ging auch an die Geschäftsleitung des Bauträgers. Und einer der Geschäftsführer antwortete uns noch gestern Abend: „Seien Sie sicher, dass wir einen für Sie akzeptablen Weg finden werden.“

Es bleibt spannend,
Christa

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