Es ist kompliziert.

Liebes Offenbach,

ich bin ein echtes Frankfurter Mädsche. Ich gehöre zu der seltenen Spezies von Einwohnern, die tatsächlich in dieser Stadt geboren sind. In Frankfurt bin ich zur Schule gegangen – immerhin bis zur 9. Klasse, 1. Halbjahr, dann wollte man mich nicht mehr. Aber das ist eine andere Geschichte ;o))

Nach vielen Jahren im Frankfurter Umland leben Dirk und ich nun seit mehr als 8 Jahren in Sachsenhausen. Und zwar in der Nähe der Hasenpfade. Die Straßen, die irgendwie jeder kennt und von denen kaum jemand weiß, dass es drei verschiedene Hasenpfade gibt.

Seit Mitte 2014 steht nun fest: Wir ziehen nach Offenbach. Offenbach, diese hässliche, vielgehasste Stiefschwester auf der anderen Mainseite. Die Stadt, über die viele Frankfurter lästern. Du, liebes Offenbach, seist hässlich. Arm. Von Gesocks bewohnt. Schmutzig. Laut. Und überhaupt scheußlich. Ich habe dich in den letzten Wochen und Monaten nun besser kennengelernt – denn ich bin über meinen Frankfurter Schatten gesprungen und habe angefangen, dich zu erkunden.  Angefangen haben wir auf dem Wilhelmsplatz und am Mainufer, mittlerweile fahren wir öfter nach Offenbach und kaufen dort ein. Wir waren viel mit dem Rad in Offenbach unterwegs und haben die einzelnen Stadtviertel erkundet.

Mir ist dabei eins aufgefallen: Du bist nicht hässlich, liebes Offenbach. In dir liegen nur Schönheit und Hässlichkeit viel dichter beieinander, als das in manch anderen Städten der Fall ist. Um es mal in Frankfurter Dimensionen zu sagen: In dir liegen Hohlbeinviertel und Ben-Gurion-Ring in einem Straßenabschnitt von 500 Metern. Das Museumsufer ist direkt um die Ecke vom Frankfurter Berg. Und die Ahornstraße und das Westend sind nur durch eine Straßenbreite voneinander entfernt. Ansonsten bist du wie deine große Nachbarin – genau so umtriebig & still, kreativ & spießig, kaputt & schön, aufgeregt & gelassen wie Frankfurt.

Ich freu mich auf dich,
Christa

 

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